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Schwerer Schlag gegen die Mafia: Nummer 2 der Cosa Nostra gefasst!

Den italienischen Mafiajägern ist ein großartiger Coup gelungen. Die Nummer 2 der italienischen Cosa Nostra, Domenico Raccuglia, wurde nach 15jähriger Flucht in einer Sizilianischen Wohnung festgenommen.

Am Sonntagnachmittag wurde der Mafiaboss und mehrfache Mörder, Domenico Raccuglia, in seiner Wohnung in Palermo festgenommen. Die Nummer 2 der sizilianischen Mafiaorganisation Cosa Nostra wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen der Ermordung eines 13-jährigen verurteilt. Der Junge war der Sohn eines Mafia Mitgliedes und wurde 1996 aus Rache an dessen Vater umgebracht, die Leiche vollständig in Säure aufgelöst.

Die sizilianische Cosa Nostra entstand wahrscheinlich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus den Strukturen der Gabelloti, weitgehend korrupte Statthalter, welche die Güter der zumeist adligen Großgrundbesitzer vor aufständischen Bauern und Briganten zu schützen hatten. Im Lauf der Geschichte Siziliens verloren jedoch die vordem mächtigen Familien, meist aus dem nördlicheren Italien stammend, Kontrolle, Einfluss und schließlich ihren Besitz an die ursprünglich von ihnen selbst eingesetzten Verwalter. Regional gab es auch Verschmelzungen der Gabelloti mit dem sizilianischen Brigantismus. Die Präsenz der Cosa Nostra ist am stärksten in Westsizilien ausgeprägt. Palermo, die Hauptstadt Siziliens, hat auch die größte „Familiendichte“; in fast allen Stadtteilen existiert eine Familie.

Die Basisorganisation ist die so genannte Familie, die ein Territorium kontrolliert, eine Ortschaft, ein Gebiet von Ortschaften oder ein Stadtviertel. Die Größe der einzelnen Familien variiert stark: So hatte die Familie ‚Santa Maria di Gesù‘ aus Palermo Anfang der 1980er Jahre zirka 200 Mitglieder, während es durchaus auch Familien mit weniger als 10 Mitgliedern gibt. Die lange dominierende Familie der Corleoneser bestand im Jahr 1993 aus 38 Mitgliedern.

In die Cosa Nostra tritt man durch Hinzuwahl (Kooptation) oder Aufruf ein. Ein Kandidat tritt fast immer der Familie seines Geburtsortes bei. Vor dem Beitritt wird die Familie (auch die Vorfahren) des potenziellen neuen Mitglieds streng überprüft. Sind oder waren Verwandte Polizisten, Staatsanwälte oder Zuhälter, ist die Aufnahme völlig ausgeschlossen. Um sich für die Mitgliedschaft zu qualifizieren, muss der Kandidat im Vorhinein eine Prüfung bestehen; dies ist normalerweise ein schwerer krimineller Akt, häufig ein Mord oder ein bewaffneter Raubüberfall. Der Kronzeuge Antonino Calderone dagegen, dessen Onkel und älterer Bruder die Familie von Catania leiteten, hatte lediglich einen gesuchten Ehrenmann zwischen zwei Verstecken zu chauffieren. Durch eine speziellen Initiationsritus tritt das neue Mitglied der Organisation bei. Immer geschieht die Aufnahme in Gegenwart anderer Mitglieder, der Novize wird in einen Finger oder Daumen gestochen, lässt das Blut auf ein Heiligenbild tropfen und leistet dann einen Eid auf die Familie und die Normen und Gesetze der Cosa Nostra. Die Mitgliedschaft ist ausschließlich Männern vorbehalten, auch wenn die Frauen im Umfeld eine wichtige Rolle spielen, da sie das Wertesystem der Cosa Nostra an ihre Kinder weitergeben. Zwei Mitglieder dürfen sich untereinander nicht zu erkennen geben, es bedarf eines dritten Mitglieds, der beide als cosa nostra (unsere Sache) oder la stessa cosa (dieselbe Sache wie wir) einander vorstellt.

Die Cosa Nostra hat eine weitgehend hierarchische Struktur mit einem so genannten „militärischen Flügel“ und einem wirtschaftlichen. Ihren Zusammenhalt stützt sie wesentlich auf einen internen Kodex mit strengen wertkonservativen Verhaltensregeln. Allen Ehrenmännern gemeinsam ist die ablehnende Haltung gegenüber dem Staat. Diese Haltung ist in der Cosa Nostra so stark verwurzelt, dass ein Ehrenmann, wird er selbst Opfer eines Verbrechens, niemals Anzeige erstattet; laut mehrerer „Pentiti“ stellt die schlimmste Beleidigung für einen Ehrenmann das Wort „sbirro“ (etwa Häscher/Bulle) dar. Die Hauptsitze der Cosa Nostra befinden sich auf Sizilien. Sie zählt ca. 5500 Clan-Mitglieder. In den 1970er Jahren errichteten einige mächtige Familien auch Dependancen in Neapel, Rom, Bologna, Turin und Mailand. In Neapel operiert auch seit den 1930er Jahren eine reguläre Familie; während der Faschistischen Ära in Italien existierte auch eine Familie in Tunis, die aus Exilanten bestand. Im Unterschied zur amerikanischen Organisation kommen die Angehörigen der sizilianischen Cosa Nostra aus nahezu allen Gesellschaftsschichten und ihr gehören beispielsweise auch viele Ärzte, Rechtsanwälte, Bankiers und erfolgreiche Unternehmer an. Dies bedeutet, dass sie weit stärker in der Gesellschaft verankert ist als ihr amerikanischer Ableger, der weitgehend am Rand der Gesellschaft existiert.

Die Cosa Nostra ist heute eine international operierende Verbrecherorganisation. Diese Organisation wurde und wird wahrscheinlich immer noch von einer Kuppel (siehe auch sizilianische Mafia-Kommission) befehligt, die sich aus den Oberhäuptern der wichtigsten Familien zusammensetzt. Inzwischen ist die Organisation infolge des Zweiten Mafiakrieges stark zentralisiert. Zumindest in den 1980er und 1990er Jahren stand die gesamte Organisation unter der Kontrolle eines einzigen Bosses.

Für Morde, die oft von jungen Mitgliedern niedrigen Ranges ausgeführt werden, bezahlen die „Familien“ grundsätzlich niemandem Geld; sie sind die Gegenleistung für den Schutz, welchen die Mafia ihrem Mitglied bietet, und dienen auch als Möglichkeit, Prestige und Reputation zu erwerben. Die Cosa Nostra führt ihre Morde grundsätzlich allein aus; sie wirbt niemals Außenstehende oder etwa Auftragsmörder an. Wird ein Ehrenmann bei der Ausführung einer kriminellen Tat im Dienst der Familie verhaftet, so hat er auch Anspruch auf finanzielle Unterstützung seitens der Familie. Auch seine Blutsfamilie kann in diesem Fall auf die Solidarität der anderen Ehrenmänner und des Bosses der Familie hoffen. Anders ist dies bei den Aktivitäten der einzelnen Mitglieder. Ehrenmänner, die auf eigene Faust illegale Geschäfte unternehmen, sind nicht zwingend dazu verpflichtet, die Gewinne hieraus zu teilen, sind dann jedoch im Fall einer Festnahme auch auf sich allein gestellt. Nach der Machtübernahme der Corleoneser Anfang der 1980er Jahre änderte sich dies ebenfalls und die einzelnen Familien mussten seitdem eine prozentuale Abgabe aus all ihren Gewinnen an die Kommission abführen.

Auf Sizilien verfügt die Cosa Nostra praktisch über ein illegales Gewaltmonopol, wenngleich sich im südöstlichen Sizilien eine konkurrierende Gruppe, die Stidda, gebildet hat. Die Beziehung zur "normalen" Kriminalität sind zwiespältig; einerseits rekrutiert die Cosa Nostra häufig aus ihren Reihen die fähigsten Leute, andererseits bekämpfte die Organisation die „unerwünschte“ Kriminalität auch lange Zeit. Zuhälter, Diebe und auch Triebtäter wurden hart bekämpft; dies ging durchaus bis zum Mord. So ließ der mächtige Boss Stefano Bontade Ende der 1970er Jahre alle Diebe in dem von ihm beherrschten Territorium eliminieren. Nach dem Zweiten Mafiakrieg wurde diese Politik auf Anweisung der Corleoneser jedoch für viele Jahre aufgegeben. Dies geschah angeblich in der Hoffnung, die Polizei, Staatsanwälte und Gerichte derart mit der „normalen“ Kriminalität zu beschäftigen, dass für eine wirksame Bekämpfung der Organisation die Zeit und Ressourcen fehlten.